Du lernst das nie,
beschimpfte der Schmiedemeister seinen Lehrling Rudi. Dieses Hufeisen hast du doch wieder total
schief geschmiedet.
Rudi wollte in seinem Leben nie Hufschmied werden, sondern Kunstschmied.
Der Meister hatte ihm auch versprochen gehabt, dass er einmal Kunstschmied wird,
dass aber mit den einfachen Sachen angefangen werden muss, bevor es zu
Filigranarbeiten kommen kann.
Wenn du zu doof bist, ein lumpiges Hufeisen so zu schmieden, dass
der Gaul hinterher nicht wie eine dreibeinige Kuh humpelt, wie willst du dann
jemals eine Rosette schmieden, die einigermaßen nach was aussieht,
he?
Rudi ärgerte sich immer, wenn er so etwas vorgehalten bekam; denn die
Pferde, die es im Dorf gab, humpelten allesamt, weil sie steinalt waren. Da
nützten die besten Hufeisen nichts. Alles alte Klepper, die nicht einmal der
Pferdeschlächter haben wollte. Ein Glück aber auch, denn Rudi mochte diese
Pferde und sie mochten ihn.
Nun kam es doch so, dass der Schmiedemeister Hans in die Stadt zum
Finanzamt musste, um da was zu erledigen. Rudi, sagte er streng, hier sind zwei Hufeisen, die kloppst du
gerade! Hier ist eine Eisenkette, da ist ein Glied gebrochen, das geschweißt
werden muss. Und dann muss ein Nasenring für den Bullen vom Bauer Friedemann
gebogen werden! Wenn ich wieder da bin, hast du hoffentlich alles
zusammen!
Ja,
Meister.
Als der Meister verschwunden war, atmete Rudi erleichtert auf. Endlich
konnte er in der Schmiede tun und lassen, was er wollte. Doch zuvor musste das
erledigt werden, was ihm der Meister gesagt hatte. Zuerst der Ring; der war
schnell gebogen und zusammengeschweißt. Wie den Bauer Friedemann nun in die
Nasenlöcher seines armen Bullen fummeln könnte, war für Rudi weniger wichtig.
Das würde ganz einfach nicht gehen, hähä. Die beiden Hufeisen waren ruckzuck
geradegekloppt, fertig! Und das Kettenglied? Das war eine seiner leichtesten
Übungen. Zusammengeschweißt! Alles war erledigt. Zusammengeschweißt ...
Zusammengeschweißt ... Gekloppt ... Bekloppt ... Hihihi... Der Meister hatte
gesagt, das alles zusammen sein soll, wenn er wieder da ist. Gut, es lag alles
auf dem Amboss. Zwei Hufeisen, die Kette und der Ring. Alle Aufgaben waren
erfüllt. Alles war zusammen. Doch Rudi ging etwas durch den Kopf: Das Zeug lag
zwar zusammen auf dem Amboss, aber es war ja gar nicht zusammen, es lag nur
zusammen da ...
Schweißbrenner an! Alles zusammenschweißen, weil es zusammengehört! Oder?
Es war kurz vor Feierabend, der Meister war nicht in Sicht. Also los!
Es entstand ein Gebilde, welches Rudi selbst dann noch beschäftigte, als
er schon längst zu Hause war. Das zusammengeschweißte Ding stellte zwar totalen
Unsinn dar, ein Dummerjungenstreich war das wieder mal gewesen, aber irgendwie
war etwas eigenartig daran gewesen. Sein Meister ließ schon mit sich spaßen,
aber was würde er am nächsten Morgen sagen?
Hähä! Rudi! Du hast doch nicht etwa angenommen, dass ich das nicht
schaffe? Hier ist der Ring, hier sind die Hufeisen! Hättest du nicht gedacht,
he?
Aber ...
Was, aber ... Erzähle mir jetzt nicht, dass du den Ring nicht erst
dann eingefädelt hattest, nachdem du mit der ganzen Schweißerei fertig
warst.
Wie haben
Sie das dann gemacht, Meister ...
Prädikat: faszinierend und
lösungsmäßig kaum für möglich haltend
Material: Metall
Anzahl der Teile: 2 (zwei durch kurze Ketten verbundene Hufeisen und ein
Ring)
Maße: 100 mm
Verpackung: Klarsichtschachtel 110x60x30 mm
Schwierigkeitsgrad: mittel -schwer